Jenaer Philharmonie

Am 1. November 1934 wurde das "Städtische Sinfonieorchester Jena" unter der künstlerischen Leitung von Ernst Schwaßmann gegründet, der zuvor als Kapellmeister beim Städtischen Orchester in Weißenfels tätig war.
Das Orchester hatte zu Beginn 28 Musiker und wurde durch die Musiker der Landeskapelle Rudolstadt verstärkt. In den folgenden Jahren erhöhte sich die Musikerzahl auf 37.

Die erste Aufführung fand am  29. November 1934 im Volkshaus Jena statt. Auf dem Programm stand ein Richard-Wagner-Abend mit dem Weimarer Heldenbariton Karl Heerdegen.

In den Kriegsjahren ab 1939 erhielten einige Orchestermusiker Einberufungsbefehle zur Wehrmacht; das Orchester wurde dadurch geschwächt und in seiner Weiterentwicklung außerordentlich gehemmt. Der Spielbetrieb konnte nur durch Unterstützung auswertiger  Musiker aufrecht erhalten werden.

Am 1. September 1944 mussten alle Theater und Orchester ihren Spielbetrieb einstellen - so auch das Städtische Sinfonieorchester Jena.

Nach Kriegsende konnte der Klangkörper nicht sofort in der Form aufgestockt werden, dass es den sinfonischen Erfordernissen entsprochen hätte. Deshalb wurde das Städtische Sinfonieorchester mit seinen 25 Musikern vom Jenaer Stadttheater übernommen.
Erstes musikalisches Werk nach Kriegsende war die Operette "Der Vetter aus Dingsda" von Eduard Künneke.
Von 1945 bis 1949 firmierte das Orchester unter dem Namen "Orchester des Stadttheaters Jena".
1947 kamen dann 15 weitere Musikerstellen hinzu, sodass der Klangkörper 40 Orchestermusiker umfasste.

1949 erfolgte die Auflösung des Theater-Ensembles. Am 15. Mai 1949 endete auch der Vertrag des damaligen künstlerischen Oberleiters Dr. Albert Müller, der zusammen mit einigen weiteren Orchestermusikern Jena verließ und anschließend Generalmusikdirektor in Plauen wurde.
Am 1. Juli 1950  wurde der Orchesterverein e. V. gegründet, der die verbliebenen Musiker mit einem festen städtischen Monatsgehalt von 250,-- Mark beschäftigte.
Universitätsmusikdirektor Gerhard Hergert übernahm zusätzlich die künstlerische Leitung des Orchesters, das ab diesem Zeitpunkt den Namen "Kulturorchester Jena" führte.

Am Ende der Spielzeit 1955/1956 durfte das Orchester wieder den alten Namen "Sinfonieorchester Jena" führen  und wurde in die Gruppe der republikbedeutenden Orchester aufgenommen. Chefdirigent Gerhard Hergert wurde zum Generalmusikdirektor ernannt.

Nachfolger von Hergert wurde Hans Heinrich Schmitz, der das Sinfonieorchester Jena von 1959  bis 1966 leitete. Unter ihm wurde das klassisch-romantische Repertoire besonders gepflegt. Daneben kam aber auch zeitgenössische Musik zur Aufführung. Schmitz fühlte sich zu Richard Wagner besonders hingezogen, dessen 100. Geburtstag 1964 in seine Amtszeit viel. Natürlich waren nur die Werke aufführbar, die mit der damaligen geringen Orchesterbesetzung partiturgetreu zu bewältigen waren.

Von 1967 bis 1981 bekleidete Günter Blumhagen das Amt des Chefdirigenten. In seine Amtszeit fällt 1969 die Gründung der Jenaer Philharmonie. Das Orchester wurde 1969 auf 68 Musiker und 1971 auf 82 Musiker erweitert. Damit war die Voraussetzung erfüllt, große Werke der Chorsinfonik aufführen zu können. Die Ära Blumhagen war gekennzeichnet durch den Aufbau der drei Chöre: Philharmonischer Chor, gegründet 1970, Madrigalkreis, gegründet 1968, Knabenchor, gegründet 1971.
In seiner Repertoiregestaltung kombinierte Günter Blumhagen geschickt Werke der Klassischen Moderne und der zeitgenössischen Musik. Besonders lag ihm Dmitri Schostakowitsch am Herzen.

1981 bis 1989 war Christian Ehwald Chefdirigent des Philharmonischen Orchesters Jena.  Ehwald wandte sich verstärkt den sinfonischen Werken zu.

1990 übernahm Andreas S. Weiser die Position des Chefdirigenten des Philharmonischen Orchesters Jena. Der aus Stuttgart gebürtige Dirigent konnte auf ein erfolgreiches Studium an der Hochschule der Künste in Berlin verweisen und absolvierte danach als Stipendiat des Deutschen Akademischen Austauschdienstes ein Meisterstudium bei Vaclav Neumann an der Tschechischen Philharmonie in Prag. In dieser Zeit begann seine Zusammenarbeit mit dem Radio-Sinfonie-Orchester Prag, das ihn 1988 als 2. Dirigenten engagierte.
Unter seiner Leitung veränderte sich die Klangkultur des Jenaer Orchesters wesentlich. Die einzelnen Intrumentengruppen profilierten sich, und es gelang immer stärker, einen Gesamtklang zu formen, aus dem die einzelnen Instrumente und Instrumentengruppen deutlich herauszuhören waren.
In den Jahren 1990 bis 1998, in denen Andreas S. Weiser dem Orchester vorstand, gab es eine interessante programmatische Mischung zwischen Barockmusik, klassisch-romantischem Repertoire, Klassischer Moderne und zeitgenössischer Musik.

Nach dem Ausscheiden des langjährigen verdienstvollen Geschäftsführers der Jenaer Philharmonie, Hans Lehmann, im Jahre 1995, wurde die Stelle des Geschäftsführers zu einer Intendanz aufgewertet.
Mit nur 8 Monaten war die Amtszeit des ersten Intendanten Kevin Wood sehr kurz. Fünf Monate später, zu Beginn des Jahres 1997, übernahm die in Thüringen geborene Claudia Luthardt die Intendanz der Jenaer Philharmonie.  Als ausgebildete Musikerin und zugleich mit Erfahrungen als Geschäftsführerin des Orchesters Augsburg entpuppte sie sich als großer Glücksfall für den Jenaer Klangkörper.
Eine ihrer wichtigsten Prämissen war die Erschließung neuer Publikumskreise. Konzerte in verschiedenen Stadtteilen, auch open air, bei der Imaginata und auf der Kulturarena wurden so zu einer neuen Tradition.
Claudia Luthardt gelang es, Andrey Boreyko  ab der Spielzeit 1998/1999 nach Jena zu holen, der die Nachfolge von Andreas S. Weiser antrat.

Mit unglaublichem Temperament und großer Spritzigkeit vermochte es Andrey Boreyko, Publikum und Musiker gleichermaßen zu begeistern und in seinen Bann zu ziehen. So gelang es ihm in den fünf Jahren seines Wirkens in Jena, einen unverwechselbaren Orchesterklang zu entwickeln. Welch hohe Klangkultur das Orchester unter Andrey Boreykos Leitung erreichte, zeigte sein Abschiedskonzert im Frühsommer 2003 mit Gustav Mahlers. 3. Sinfonie in d-Moll sehr eindrucksvoll. In seiner Zeit als Generalmusikdirektor der Jenaer Philharmonie wuchs das Tourneenengagement  und die Herausgabe von Diskographien beachtlich.

Bezogen auf die Intendanz der Jenaer Philharmonie ergab sich durch den viel zu frühen Tod von Claudia Luthardt eine Vakanz. Andreas S. Weiser stellte sich deshalb zwischenzeitlich, ab 1. 09.2001, für dieses Amt zur Verfügung.

Seit 1. August 2003 ist Bruno Scharnberg Intendant der Jenaer Philharmonie. Bruno Scharnberg wurde in Frankfurt a. M. geboren, studierte Theaterwissenschaft, Germanistik und Publizistik an der Freien Universität Berlin. Seine Theaterlaufbahn begann Bruno Scharnberg als Dramaturg und Regieassistent für Schauspiel und Musiktheater an den Städtischen Bühnen Regensburg. Es folgte ein Engagement als Chefdramaturg und Referent für Öffentlichkeitsarbeit  am Landestheater Detmold. Am Stadttheater Bremerhaven war Bruno Scharnberg in gleicher Position tätig - zugleich aber auch stellvertretender Intendant. Es folgte eine Tätigkeit als persönlicher Referent des Generalintendanten Dietrich Taube und als Leiter der Öffentlichkeitsarbeit am Theater Erfurt. 1998 kam er als Orchestergeschäftsführer an das Opernhaus Halle und wurde dort 2001 Stellvertreter von Intendant Klaus Froboese in allen künstlerischen Angelegenheiten.

Nicholas Milton wurde 2004 als Generalmusikdirektor der Jenaer Philharmonie berufen und ist seit 2007 zugleich Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des Canberra Symphony Orchestra. Bereits heute hat er sich als einer der führenden australischen Dirigenten seiner Generation etabliert. Sein überzeugendes Auftreten sowie seine unmittelbare Beziehung zu den Musikern begeistern Orchester und Publikum gleichermaßen. So erhielt er sofortige Wiedereinladungen u. a. vom London Philharmonic Orchestra, von der NDR Radiohilharmonie Hannover, von den Dortmunder Philharmonikern, vom Staatsorchester Wiesbaden und vom China National Symphony Orchestra. Ausgebildet im Fach Violine am Sydney Conservatorium of Music setzte Milton seine Studien an der Michigan State University und der Boston University fort. Weitere Studien in Dirigieren, Musiktheorie und Philosophie an der Juilliard School of Music und am Mannes College of Musik New York schloss er mit Diplomen und einer Promotion in Musikwissenschaften ab. Seine erste Verpflichtung als Dirigent führte ihn als Chef an das Dubrovnik Symphony Orchestra (2000 -2004). 2003 wurde Nicholas Milton mit der Australischen Jahrhundertmedaille für sein gesellschaftliches Engagement und seine Aktivitäten zur Förderung der Musik gefeiert.

Chefdirigenten, Generalmusikdirektoren:

Ernst Schwaßmann künstlerischer Leiter 1934 bis 1945
Carl Ferrand Chefdirigent 1945 bis 1947
Dr. Albert Müller künstlerischer Oberleiter 1947 bis 1947
Gerhard Hergert künstlerischer Leiter 1947 bis 1959
Heinrich Schmitz   1959 bis 1966
Günter Blumenhagen Chefdirigent 1967 bis 1981
Christian Ehwald Chefdirigent 1998 bis 1989
Andreas S. Weiser Chefdirigent 1991 bis 1998
Andrey' Boreyko Generalmusikdirektor 1998 bis 2003
Dr. Nicholas Milton Generalmusikdirektor 2004 bis 2010 

Betriebsdirektoren, Geschäftsführer, Intendanten:

Hans Ihle Verwaltungsleiter 1952 bis 1969
Rüdiger Domizlaff Betriebsdirektor 1970 bis 1979
Lothar Schnellknecht Betriebsdirektor 1980 bis 1986
Hans Lehmann Geschäftsführer 1987 bis 1995
Kevin Wood Intendant bis 1997
Claudia Luthardt Intendant 1997 bis 2001
Andreas S. Weiser Intendant 2001 bis 2002
Bruno Scharnberg Intendant seit 1. August 2003
     
     
     

Quelle:
Volkshaus Jena - Versuch einer Chronik
Birgit Liebold, Dr. Margret Franz

 

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